Hausaufgaben – ein Experiment.

der heisse draht

Hausaufgaben sind ein aus dem Unterricht kaum wegzudenkendes Element – ähnlich wie Tafel, Schulbank und Klassenarbeiten gehören sie eben einfach dazu. Das regelmäßige Erteilen von Hausaufgaben gehört zur Stundenplanung für viele Lehrer und Referendare einfach dazu, eine wohlgepflegte und lieb gewonnene Tradition. Denkste!

Der Anstoß zum Umdenken kam für mich in Form der Pädagogik-Prüfung im Referendariat (ja, sie war tatsächlich zu etwas nützlich!), zu welcher wir uns selbst ein Schwerpunktthema suchen mussten durften. Meine Motivation im Pädagogik-Seminar war zugegebenermaßen recht schwankend und am Tag der Themenwahl habe ich mangels eigener Ideen meiner Seminarleiterin einfach gesagt: “Welches Thema möchten SIE denn gerne in einer Prüfung mal wieder hören? Ich nehme alles.” Und schon war ich beim Thema Hausaufgaben 🙂

Je mehr ich darüber gelesen habe, umso mehr wurde mir klar, wie selbstverständlich (und unreflektiert) ich Hausaufgaben gegeben und als selbstverständlich angesehen habe. Auch in meiner eigenen Schulzeit oder dem Referendariat wurden Hausaufgaben nie wirklich hinterfragt, im Gegenteil sie wurden von vielen Seiten (auch Eltern!) meist explizit gewünscht. Warum eigentlich?

Erfolgsgefühle vs. Frustration

Es wird oft angeführt, dass Hausaufgaben den Schülern Erfolgserlebnisse verschaffen und Kompetenzerfahrungen ermöglichen. Um ehrlich zu sein, das konnte ich eher selten beobachten. Schüler die den Unterrichtsstoff bereits verstanden haben werden mit den Aufgaben mit hoher Wahrscheinlichkeit gelangweilt, Schüler mit Verständnisproblemen benötigen bei der Bewältigung der Hausaufgaben Hilfestellung.

Aber nicht alle Schüler können auf Eltern mit ausreichend zeitlichen Ressourcen zurückgreifen – und bei weitem nicht in allen Bereichen dürften die Eltern sich in der Lage fühlen den jeweiligen Stoff altersgemäß aufbereitet zu erklären wie ein Lehrer es könnte. Ganz zu schweige von Eltern die mehr als ein Kind in mehr als einer Klassenstufe haben.

Besonders stoßen mir langfristige, umfangreiche Aufgaben auf die quasi als “Elternhausaufgaben” aufgefasst werden, z.B. das Herbarium in Biologie. Kürzlich habe ich selbst so eine Aufgabe in Technik & Computer aufgegeben (Präsentation zu Bäumen) und dabei so krass aufwendige Werke bekommen, dass man direkt die ganze Familie vor dem geistigen Auge hat mitarbeiten sehen. Ist das verwerflich? Vielleicht nicht. Aber Schüler die nicht auf solche familiären Ressourcen zurückgreifen können (oder überhaupt das Glück haben noch bei ihrer Familie zu wohnen!) werden bei solchen Aufgaben schon benachteiligt.

Arbeiten im eigenen Lerntempo vs. Zeitverschwendung

Da die HA üblicherweise nicht in der Schule sondern daheim erledigt werden, kann man diese im eigenen Lerntempo erledigen. Das kann man natürlich schwer in Abrede stellen, jedoch sollte man Bedenken welcher zeitliche Umfang schnell erwächst wenn die Schüler die Lösung der Aufgabe eben nicht sofort erfassen können und keine adäquate Hilfestellung bereit steht.

Im Rahmen einer Evaluation/Einschätzung meines Unterrichts habe ich auch oft nach dem Zeitumfang der HA in Mathe und Physik pro Woche gefragt, da schwanken die Werte von 0,5-3 Stunden. Zieht man dazu in Betracht das in Physik nahezu keine HA erteilt werden – und Mathe nur ein Fach von vielen ist – kann man erahnen welche Belastung für einige Schüler hinter diesen vermeintlich kurzen Aufgaben stecken.

Man darf dabei jedoch nicht vergessen: Viele Schüler haben neben dem Unterricht auch einen enormen Anfahrtsweg (teilweise eine Stunde) von und zur Schule, müssen sich auch um kleinere Geschwister kümmern, sind in Sportvereinen aktiv oder engagieren sich auf vielfältige Art und Weise für die Schule (Theater, Journalistik-AG, Schach, …). Sind diese Beschäftigungen denn immer als geringer einzuschätzen als Hausaufgaben?

Zeitersparnis vs. Zeitfalle

Hausaufgaben können einem das Leben als Lehrer erleichtern. Schaffen wir etwas nicht im Unterricht, gibt es das eben als Hausaufgabe. OK – so sollte es vielleicht nicht laufen, aber Hand aufs Herz, welchem Lehrer ist dieser Spruch noch nicht über die Lippen gekommen? 🙂

Man kann natürlich auch so argumentieren: Die wertvolle, weil chronisch viel zu kurze, Unterrichtszeit wird zur Erarbeitung des Stoffes genutzt und das Üben durch die HA in die “Freizeit” verlagert. Klingt einfach, aber der Teufel steckt hier im Detail:

  • Hausaufgaben müssen aufgegeben werden. Das heißt ich muss Aufgaben auswählen die in Umfang, Schwierigkeitsgrad, etc. angemessen sind und im Unterricht genügend Zeit einräumen das diese Aufgaben ins Hausaufgabenheft eingetragen werden.
  • Hausaufgaben müssen kontrolliert werden. Eine schnell ausgesuchte Aufgabe im Lehrbuch entpuppt sich ganz schnell als unverständlich für Schüler, dies muss dann entsprechend aufgegriffen und korrigiert oder erklärt werden. Aus korrekten Lösungen auf das Verständnis zu schließen ist trügerisch, der Prozentsatz an abgeschriebenen HA hoch.
  • Hausaufgaben(-Nichterledigungen) müssen sanktioniert werden. Vergessene Hausaufgaben und Arbeitsmittel werden bei uns akribisch in Listen im Klassenbuch, oft auch zusätzlich ins Hausaufgabenheft der Schüler, eingetragen. Mit welcher Konsequenz? Information an die Eltern und Einfluss auf die Kopfnoten (Betragen, Fleiß, Mitarbeit, Ordnung).

Jeder dieser Schritte kostet Zeit, wenn auch nicht immer viel. Trotz allem sollte man sich dann vielleicht trotzdem die Frage stellen ob diese Zeit nicht besser mit einer entsprechend gestalteten Übung im Unterricht (und entsprechender fachkundigen Hilfe durch den Lehrer) besser eingesetzt wäre.

Sinnhafte Gestaltung vs. Standardaufgabe

Ja. Hausaufgaben können auch richtig Sinn machen und ein (altersabhängiges) Ziel verfolgen: Erst Selbstbestätigung und “Einpendeln”, dann Vorbereitung auf Arbeitshaltung, Zeitmanagement, Genauigkeit und Pflicht mit den Zielen Einüben von Selbstständigkeit, Arbeitsplanung und Arbeitstechniken.

Die Frage ist jedoch, ob zur Erreichung dieser Ziele HA notwendig sind – bzw. HA von der Art, wie sie oft gegeben werden. Werden damit nicht nur Tugenden wiederholt, die während des Schulalltages eh schon hinreichend oft gefordert werden?

Selbst Befürworter von Hausaufgaben machen deutlich, das einige Aspekte zum “Gelingen” notwendig sind:

  • HA müssen einen angemessenen Umfang haben.
  • HA müssen grundsätzlich ohne Hilfe zu bewältigen sein.
  • HA erfordern klare Arbeitsanweisungen.
  • Notwendige Strategien zur Bewältigung der HA müssen den Schülern bekannt sein.
  • Es ist eine Motivation der Schüler notwendig.
  • Die Bemühungen der Schüler sollten wahrgenommen und gewürdigt werden.

Das dürfte wohl kaum mit Aufgaben vom Typ “Lehrbuch Seite XY, Aufgabe Z” ganz pauschal erreicht werden?! Stellt sich die Frage – was sind eigentlich Hausaufgaben? Sind Hausaufgaben alle Aufgaben die Schüler zu Hause erledigen? Ist das Lernen von Vokabeln eine Hausaufgabe? Oder die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts zu Hause, z.B. als Vorbereitung für die nächste Stunde oder die Täglichen Übungen (Mathe)? Fragen über Fragen 🙂

Würde man den obigen Anforderungen gerecht werden wollen, wäre man bei individualisierten (differenzierten) Übungsaufgaben – schon eher etwas, womit ich etwas anfangen kann.

Hausaufgaben – ein Experiment

Insgesamt finde ich die Argumente gegen Hausaufgaben wesentlich eingängiger als die Argumente dafür. Noch stehe ich recht am Anfang, aber ich versuche mich selbst zu disziplinieren folgende Leitgedanken bei der Aufgabe von Hausaufgaben zu berücksichtigen:

  • Freiwilligkeit. So oft wie möglich gebe ich Aufgaben freiwillig auf, wer Übungsbedarf hat kann auf Aufgaben zurückgreifen – muss aber nicht.
  • Umfang. Ich versuche mich immer zu hinterfragen, ob die Aufgaben wirklich nötig sind und weise darauf hin, dass bei 10 Aufgaben identischen Typs nicht alle erledigt werden müssen.
  • Regelmäßigkeit. Übungsangebote versuche ich so regelmäßig wie möglich zu geben. Bis Schüler ihren Übungsbedarf realistisch einschätzen können dauert es natürlich einige Zeit – und sicher ist es auch das ein oder andere Mal mit der schmerzliche Erkenntnis verbunden sich überschätzt zu haben.
  • Individualisierung. Klingt natürlich hochtrabend, aber muss nicht immer ein didaktisches Feuerwerk sein: Der Komplex Bruchrechnung ist abgeschlossen und zu jedem behandelten Themengebiet stelle ich einige Aufgaben zusammen. Nach kurzer Bedarfsabfrage erhält jeder Schüler aus diesem Pool Aufgaben – oder wählt diese sogar selbst aus.

Liest sich bestimmt nicht schlecht, aber natürlich gelingt es (mir) nicht immer zu jeder Zeit alle Punkte zu berücksichtigen.

Eine kleine Bestätigung erhielt ich neulich zum Tag der offenen Tür an unserer Schule, als eine Mutter folgendes zu mir sagte:

“Vor der Klassenarbeit war unsere Tochter ganz gelassen. Angesprochen darauf ob sie denn nicht für die Arbeit lernen muss sagte sie: Wir üben so viel im Unterricht, das ich nicht viel zusätzlich zuhause vorbereiten muss.”

Langfristig habe ich mir vorgenommen die Möglichkeiten unserer Lernplattform hinsichtlich der Hausaufgaben-Problematik ebenfalls sinnbringend einzusetzen. Ein paar Vorstellungen dazu habe ich schon, aber das benötigt noch einiges an Vorlauf.

 

Wer gerne etwas mehr über Hausaufgaben lesen möchte:

Pädagogik 3/13, 22-23 Hausaufgaben? Eine Kontroverse
Pädagogik 10/01, 50-51 Hausaufgaben? Pro und Contra
Pädagogik 3/13 24-25 Hausaufgaben kontrollieren?
Pädagogik 3/13 6-9 Was wissen wir über Hausaufgaben?
Pädagogik 12/04 40-44 Dauerbrenner Hausaufgaben

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/neue-studie-hausaufgaben-machen-die-klugen-klueger-und-die-dummen-duemmer-14037488.html#GEPC;s6

http://www.deutschlandfunk.de/bildung-die-wissenschaft-ist-eindeutig-hausaufgaben-sind.694.de.html?dram%3Aarticle_id=340402

Jahresauftakt.

Lange war es ruhig im Blog, aus unterschiedlichsten Gründen fehlte mir die Zeit mein ursprüngliches Ziel des wöchentlichen Beitrages durchzuhalten. Aber nun möchte ich endlich mal wieder einen Anfang wagen, deshalb ein kurzer Abriss der letzten Wochen:

In der Silvesternacht habe ich einen Heiratsantrag bekommen. Ein unglaublicher Start in das neue Jahr. Oder wie es aus einer Schülerin ungläubig herausplatzte: “SIE will jemand heiraten?!” 🙂 Überglücklich – mehr gibt es dazu nicht zu sagen

Die Schulleiterhospitationen habe ich hinter mich gebracht und meine 6-monatige Probezeit ist nun offiziell ebenfalls beendet. Angst vor einer Verlängerung hatte ich nicht unbedingt – und trotzdem ist es ein beruhigendes Gefühl wieder etwas geschafft zu haben.

Unsere Schule hat sich nach einer kontroversen (und durchaus emotional geführten) Debatte zu einer veränderten Handyregelung entschlossen. Trotz des eindeutigen Mehrheitsbeschlusses merkt man immer noch deutlich wie schwer sich manche mit der Entscheidung tun. Mehr zu unserer Regelung und den ausgetauschten Argumenten dann in Kürze in einem separaten Beitrag.

Ein weiteres Thema das mindestens genauso leidenschaftlich wie kontrovers diskutiert wird sind Hausaufgaben. Sind Hausaufgaben heute noch sinnvoll? Was versteht man unter Hausaufgaben? Sind zu beherrschende Vokabeln Hausaufgaben oder selbstverständlicher Teil der Unterrichtsvor- und Nachbereitung? Sind individualisierte Übungs- und Unterstützungsaufgaben Hausaufgaben? Wozu Schüler die den Stoff beherrschen langweilen und die, die Hilfe benötigen mit den Aufgaben alleine lassen (da zu Hause zu erledigen)? Fragen über Fragen 🙂 Auch dazu ein ausführlicherer Beitrag in Kürze.

Der Hosting-Vertrag für unsere neue Schulwebsite wurde mit Unterstützung des Fördervereins abgeschlossen und im Hintergrund bereits die ersten langfristigen Arbeiten zum Umstieg begonnen. Eine Aufgabe, auf die ich mich wirklich freue 🙂

Ich darf tatsächlich zur Tagung/Fortbildung “Mobiles Lernen mit Tablets und co.” in Oldenburg fahren. Schaut man sich die Vortragenden und Leiter der Workshops an, so trifft sich dort alles was Rang und Namen hat in Sachen digitaler Bildung. Zwei Tage mit Menschen verbringen die ohne Frage Vorreiter sind und nicht in jedem Hindernis ein Problem sehen, Leute von Angesicht zu Angesicht treffen die ich nur “digital” kenne – davon verspreche ich mir eine Menge Abwechslung, Motivation und jede Menge Spaß!

Noch eine Woche bis zu den Ferien, und die hat es in sich: Noten vergleichen, Gespräche zur Bildungsberatung vorbereiten, Zeugnisse drucken, den Elternsprechtag vorbereiten (16 Gespräche – das muss Rekord sein!), Übergabe der Klasse an eine neue Kollegin vorbereiten, … Aber ich will mich nicht beschweren, unser Kollegium unterstützt sich super gegenseitig bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben.

Bis bald!

Neue Schule – Woche 6: Schmerzen, Hospitationen, Wandertag, Sekt

Schmerzen

Es gibt so Situationen im Lehrerleben, da handelst du schneller als du denken kannst – nicht immer mit dem besten Resultat:

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Entstanden sind diese Verletzungen beim Sportfest, wie man es sich amüsanter wahrscheinlich nicht ausdenken kann:

Zwei Klassen befinden sich an der Sprint-Station, es gibt vier Bahnen und damit immer vier gleichzeitige Läufer. Am Ende ging die Anzahl aber nicht mehr auf und ein Schüler hätte alleine laufen müssen, da habe ich spontan gesagt: Du trittst gegen mich an. Fehler, großer Fehler.

Schnell reihten sich die Schüler dicht an dicht entlang der kurzen Strecke und feuerten uns für den Start an. Die ersten 15m konnte ich auch gut mithalten, bis ich unvermittelt über meine eigenen Füße stolperte – und aus vollem Lauf der Länge nach auf die Tartan-Bahn stürze. Stille.

Kurze Benommenheit, aufstehen und checken ob die Klamotten wenigstens nicht in Fetzen von mir hängen – dann konnten sich weder Kinder noch Kollegen die Sprüche mehr verkneifen.

Der Schüler gegen den ich angetreten bin tröstete mich mit den Worten: “Naja, immerhin sind Sie in diesem Lauf ja zweiter geworden.” Oder noch besser ein anderer Kommentar: “Ich dachte erst Sie holen ihn ein, aber das war nur ihr Kopf der vorne lag…”

Die Assoziation “Fallobst” lag bei meinem Namen dann auch nicht mehr fern – mal ganz abgesehen von dem Grinsen der Kollegen beim Einschreiben der Verletzung in das Unfallbuch…

Aber ziemlich süß: Am nächsten Tag standen vor der ersten Stunde Schüler am Lehrerzimmer und haben sich besorgt nach meinem Gesundheitszustand erkundigt.

Lektion des Tages: Erwärmung, Sportsachen und geeignete Laufsachen sind sinnvoll und wichtig. Und tritt nie gegen einen Schüler an. Nie!

Hospitationen

Da ich mich noch in der 6-monatigen Probezeit befinde, war es nur eine Frage der Zeit bis die Ankündigung kommt: Hospitationen durch die Schulleitung. Sowohl angekündigt als auch unangekündigt.

Da werden zwangsläufig Erinnerungen an das Referendariat wach und zwar keine angenehmen. Bis jetzt haben das alle eingestellten Kollegen überstanden – trotzdem stellt sich keine übermäßige Vorfreude ein.

In den Ferien muss also dringend ein guter Plan für die nächsten Wochen her. Dringend.

Wandertag

Morgen geht es auf den ersten Wandertag mit meiner Klasse, gleichzeitig auch mein erster Wandertag als Klassenlehrer überhaupt. Begleitet werde ich von der Schulleiterin persönlich – es wird also sicher ein erlebnisreicher Tag.

Nach einigen Diskussionen wird der Wandertag dafür genutzt wofür er steht: Fürs Wandern.

Mehr dazu dann in der nächsten Woche.

Sekt

Am Freitag wurde ich zum inoffiziellen Ausklang der Schulwoche eingeladen – inklusive einem Gläschen Sekt mit zwei netten Kolleginnen. Es gibt schlimmere Arten ins Wochenende zu starten, so viel steht fest.

 

Was für eine Woche. Da gibt’s nicht mehr zu sagen, außer….

Neue Schule – Woche 5: Kleine Fortschritte

In dieser Woche gibt es nicht viel spektakuläres zu berichten, aber es gab kleine Fortschritte in allen Bereichen:

  • ein Wandertagsziel wurde festgelegt (und ich habe gelernt das die Auswahl und Abstimmung des
    Zieles das nächste Mal anders organisiert werden muss) – es wird tatsächlich gewandert 🙂
  • Eine dringend benötigte Software für die PC-Kabinette kann nun, trotz Haushaltssperre, aufgrund der Dringlichkeit beschafft werden.
  • Die ersten Leistungskontrollen in Klasse 5 und 6 sind geschrieben, korrigiert, ausgeteilt und ausgewertet. Die Klassen stellen sich langsam auf mich ein – und umgekehrt.
  • Meine Klasse hat einen Brief an den neu zu erwartenden Schüler geschrieben – inklusive einem spontan aufgenommenen Klassenfoto. Da bin ich schon ein bisschen stolz.

Nun steht wieder eine A-Woche bevor, die einem alles abverlangt. Wir haben an unserer Schule A- und B-Wochen, was für mich konkret bedeutet: In dieser Woche habe ich volle 28 Stunden zu unterrichten.

Am Wochenende habe ich das schöne Wetter genutzt und mit unserer Tochter den Zoo besucht – die Jahreskarte will schließlich genutzt werden.

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Neue Schule – Woche 4: Smartphones, Stundenklingel, Technik & Computer

Kaum zu glauben das inzwischen bereits vier Wochen seit Schuljahresbeginn vergangen sind! Auf der einen Seite fühle ich mich an der Schule bereits “zuhause”, auf der anderen Seite ist die Zeit rasend schnell vergangen.

Close up person using smartphone
Close up person using smartphone (via Flickr, thanks to http://www.japanexperterna.se/?attachment_id=3069)

Smartphones

Was das Kollegium im Moment immer wieder beschäftigt ist die Thematik – für einige wohl eher Problematik 😉 – der Smartphone-Nutzung in der Schule.

Unsere Hausordnung ist in diesem Punkt hinreichend vage gehalten um für reichlich Gesprächsstoff zu sorgen:

“Die Nutzung privater elektronischer Medien ist nur mit Erlaubnis des Fachlehrers gestattet. Das Telefonieren mit Mobiltelefonen ist während der Schulzeit untersagt.”

Man könnte meinen damit ist alles gesagt – weit gefehlt. Es gibt eine große Fraktion der Kollegen und Eltern die eine Nutzung dieser privaten elektronischen Medien auch in der Pause untersagen möchte, die Argumente sind meist:

  • Die Schüler müssen in der Pause auch mal abschalten und runterkommen, die Geräte werden jedoch vorrangig zum “Zocken” benutzt.
  • Es besteht die Gefahr, dass diese Geräte für Aufnahmen (Foto/Video) in der Pause genutzt werden und dies auch zu Mobbing führen kann.
  • Lässt man eine Pausennutzung zu, so würde dies zu einer schlechteren Konzentration im Unterricht führen.

Die Schüler argumentieren natürlich etwas anders. Hier zwei Argumente aus meiner Klasse:

  • Wenn ich in der Pause meinen Freunden ein Youtube-Video zeigen möchte, so sollte das auch möglich sein.
  • Einige Schüler möchten zur Entspannung Musik hören und nutzen dazu natürlich ein Smartphone – sowas sollte nicht verboten werden.

Ganz persönlich sehe ich es ja eher pragmatisch:

  • Jedes Verbot muss mit einer entsprechenden Kontrolle und Sanktionierung einhergehen – was das Leben nicht unbedingt einfacher macht.
  • Es ist aus meiner Sicht illusorisch jegliche “private elektronische Medien” in der Pause zu verbieten, denn wie soll man im Zweifel eine Uhr von einer Smartwatch unterscheiden? Inzwischen lese ich immer öfter auch von “Wearables” also Tool die in der Kleidung integriert sind. Also zukünftig ein Körperscanner am Schulgebäude?
  • Da den Schülern durch unser Blockmodell eigentlich nur zwei Pausen (Frühstücks- und Mittagspause) zur Verfügung stehen könnte man als Kompromiss ja eine als “handyfreie” Pause deklarieren – aber ich sehe wenig Chancen dafür.

Ich bin gespannt wie sich das weiter entwickelt – wir haben kommenden Monat Dienstberatung, da wird das Thema sicher noch einmal eine Rolle spielen. Zuletzt noch ein kreativer Vorschlag zur Sanktionierung der Smartphonenutzung (Danke für den Tipp @th_g !)  😀

 

Stundenklingel

Zur Zeit haben wir Technik-bedingt keine Stundenklingel, d.h. Unterrichtsbeginn und -ende muss der Lehrer pünktlich einläuten bzw. beenden. Während das vielen Kollegen nicht sonderlich gefällt, muss ich zugeben mich sehr daran gewöhnt zu haben.

Das abrupte Klingeln führt ja sonst zu tumultartigen Szenen und dem Sturm Richtung Essensausgabe, während man seinen Satz nicht einmal zu Ende sondern sich nur in Sicherheit bringen kann…

Fast in jedem Klassenzimmer findet man jetzt eine Uhr und die Schüler achten schon darauf das man das Stundenende auch nicht vergisst 😉

Die Nachteile liegen natürlich auch auf der Hand – schön zusammengefasst von @tom_nolte:

Technik & Computer

Vor dem für mich gänzlich neuen Fach (entspricht einer Mischung aus Werken und der Vorbereitung für das Fach Informatik ab Klasse 7) hatte ich natürlich reichlich Respekt – aber inzwischen macht es einfach nur noch Laune. Die Abstimmung mit den Kollegen läuft super und im Unterricht handwerklich tätig zu sein – gemeinsam mit den Schülern – ist mehr als interessant.

Im Moment bauen wir am Prototyp für das Werkstück in Klasse 6 – ein motorbetriebenes, schwimmfähiges Boot, welches von den Schülern gebaut und gestaltet werden soll. In dieser Woche gab es den ersten (kleinen) Baufortschritt:

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Neue Schule – Woche 3: Improvisation, Überraschungen, Umgangston, Haushaltssperre, Ausgleich

Improvisation

Manche Dinge sind so obskur, dass man sie sich gar nicht ausdenken kann: In dem Übergangsgebäude in dem wir uns befinden, wurde die Sparpolitik auf ein ganz neues Level gebracht. Nur das Tafellicht lässt sich per Lichtschalter an- und ausschalten, für das Licht im Klassenraum müssen die Sicherungen im Sicherungskasten umgelegt werden. Verrückt, oder?

Überraschungen

Unerwartet, weil noch vor meiner Zeit in Auftrag gegeben, traf diese Woche noch eine Bestellung für den Physikraum ein. 177 gut verpackte Kilogramm warteten im Erdgeschoss – ohne Lastenaufzug natürlich.

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Leider hatte der Fahrer es wohl etwas eilig, denn er ist gleich mit der Tür ins Haus gefallen – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Umgangston

Das sich der Umgangston in der Großstadt doch erheblich von dem eines ländlichen Gymnasiums unterscheidet wird mir zunehmend bewusster. Ich formuliere es mal vorsichtig: Die gewählte Art sich auszudrücken stimmt nicht mit meiner Vorstellung eines guten Umgangs miteinander überein.

In dieser Woche häuften sich die Vorfälle, sodass es zu der ein oder anderen erzieherischen Maßnahme kam – das diese in Klasse 6 noch durchaus richtige Emotionen hervorrufen hat mich dann doch etwas überrascht. In diesem Zuge hatte ich auch mein erstes telefonisches Elterngespräch, angesichts des Anlasses verlief es super freundlich und konstruktiv.

Haushaltssperre

Irgendwie muss es mir zwischen Endphase des Referendariats und dem Neubeginn an der Schule durch die Lappen gegangen sein, aber keine vier Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres haben wir bereits Haushaltssperre. Das heißt es können nur noch absolut notwendige Ausgaben getätigt werden – am Freitag hieß es sogar Kopierfolien würden nicht dazu zählen…

Das ich gefühlt meinen ganzen Hausrat für Physikexperimente aufwende (aus eigener Tasche, versteht sich) ist natürlich schon manchmal ziemlich ärgerlich – aber so wie es aussieht muss ich wohl dankbar sein das wir zumindest noch Toilettenpapier gestellt bekommen 😉

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Ausgleich und Motivation

Da gibt es nicht viel zu sagen: Ich konnte dieses Wochenende endlich mal wieder die Gelegenheit nutzen mein kürzlich fertiggestelltes Boot auf dem See fahren zu lassen:

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Neue Schule – Woche 2

Die zweite Woche ist vollbracht, Zeit für einen kleinen Wochenrückblick 🙂

Humor

Jeder Anlass in der Schule zu Lachen und Schmunzeln sollte doch in der heutigen Zeit gewürdigt werden. Um so mehr, wenn die Schulleitung Humor beweißt. Das folgende Schild konnte ich am Dienstag in unserer Schule entdecken:

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Namen über Namen – der Sitzplan

Erst langsam wird mir richtig klar, dass ich im Laufe der Woche ca. 60-70% der Schüler unserer Schule im Unterricht beglücken darf – eine Herausforderung für das Lernen der Namen!

Also kurzerhand in den Klassen, in denen ich nur aller 14 Tage habe bzw. immer nur die halbe Klasse , Bilder für einen Sitzplan mit den Schülern gemacht. Die Schüler fanden es witzig, auch wenn es gewisse Assoziationen zu Polizeiaufnahmen gab 😀

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Der erste Elternabend

Am Donnerstag durfte ich den ersten Elternabend als Klassenlehrer abhalten. Eine gewisse Anspannung ließ sich kurz vor Beginn nicht mehr leugnen, was sich aber angesichts der sehr netten Eltern schnell legte.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen alles zügig hintereinander weg abzuarbeiten – und habe mich natürlich gründlich verschätzt. Nach fast 2 Stunden war der “offizielle” Teil beendet und es gab noch einige Gespräche mit einzelnen Eltern.

Mit den wenigen Versuchen mich aus der Reserve zu locken konnte ich, glaube ich jedenfalls, souverän umgehen 😉

Zuwachs

Diese Woche habe ich auch erfahren, dass die Klasse Zuwachs bekommt und in Kürze auf 26 Schüler anwachsen wird. Aufgabe für die kommende Woche wird sein den Klassenraum und die Bestuhlung so anzupassen, dass ein vernünftiges Arbeiten für Schüler und Lehrer noch möglich ist.

 

Nächste Woche stehen außerdem Entscheidungen bezüglich einer Lernplattform an. Irgendwie überrascht es mich immer noch, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich bei einer Schule im Aufbau ergeben.

 

Es bleibt also spannend!