Neue Schule – Woche 3: Improvisation, Überraschungen, Umgangston, Haushaltssperre, Ausgleich

Improvisation

Manche Dinge sind so obskur, dass man sie sich gar nicht ausdenken kann: In dem Übergangsgebäude in dem wir uns befinden, wurde die Sparpolitik auf ein ganz neues Level gebracht. Nur das Tafellicht lässt sich per Lichtschalter an- und ausschalten, für das Licht im Klassenraum müssen die Sicherungen im Sicherungskasten umgelegt werden. Verrückt, oder?

Überraschungen

Unerwartet, weil noch vor meiner Zeit in Auftrag gegeben, traf diese Woche noch eine Bestellung für den Physikraum ein. 177 gut verpackte Kilogramm warteten im Erdgeschoss – ohne Lastenaufzug natürlich.

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Leider hatte der Fahrer es wohl etwas eilig, denn er ist gleich mit der Tür ins Haus gefallen – im wahrsten Sinne des Wortes.

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Umgangston

Das sich der Umgangston in der Großstadt doch erheblich von dem eines ländlichen Gymnasiums unterscheidet wird mir zunehmend bewusster. Ich formuliere es mal vorsichtig: Die gewählte Art sich auszudrücken stimmt nicht mit meiner Vorstellung eines guten Umgangs miteinander überein.

In dieser Woche häuften sich die Vorfälle, sodass es zu der ein oder anderen erzieherischen Maßnahme kam – das diese in Klasse 6 noch durchaus richtige Emotionen hervorrufen hat mich dann doch etwas überrascht. In diesem Zuge hatte ich auch mein erstes telefonisches Elterngespräch, angesichts des Anlasses verlief es super freundlich und konstruktiv.

Haushaltssperre

Irgendwie muss es mir zwischen Endphase des Referendariats und dem Neubeginn an der Schule durch die Lappen gegangen sein, aber keine vier Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres haben wir bereits Haushaltssperre. Das heißt es können nur noch absolut notwendige Ausgaben getätigt werden – am Freitag hieß es sogar Kopierfolien würden nicht dazu zählen…

Das ich gefühlt meinen ganzen Hausrat für Physikexperimente aufwende (aus eigener Tasche, versteht sich) ist natürlich schon manchmal ziemlich ärgerlich – aber so wie es aussieht muss ich wohl dankbar sein das wir zumindest noch Toilettenpapier gestellt bekommen 😉

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Ausgleich und Motivation

Da gibt es nicht viel zu sagen: Ich konnte dieses Wochenende endlich mal wieder die Gelegenheit nutzen mein kürzlich fertiggestelltes Boot auf dem See fahren zu lassen:

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Neue Schule – Woche 1

Die erste Woche an der neuen Schule ist gemeistert – zumindest die erste Woche in der auch Schüler anwesend waren 😉

Da sich meine neue Schule im Aufbau befindet, musste in den Ferien erst einmal der Physik-Fachraum begehbar gemacht werden. Sowohl im Vorbereitungsraum als auch im Fachraum stapelten sich Umzugskartons der vor uns ausgezogenen Schule mit Dingen von denen man meinte, sie wären vielleicht noch zu gebrauchen.

Im Prinzip glichen die Räume einem Abenteuerspielplatz und riesigem Puzzle.

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Gleichzeitig bin ich ab sofort für die Homepage unserer Schule und die Administration unseres Schulnetzwerkes verantwortlich – und wahrscheinlich erfindet nur Sachsen dafür so kautzige Abkürzungen wie PITKo (Pädagogischer ITKoordinator).

Was gewöhnungsbedürftig aber auch sehr schön ist: durch das kleine Kollegium und die eigene Verantwortung kann man viele Dinge gern selbst anpacken und umsetzen. Sofort. Ohne auf viele andere eingefahrene Strukturen angewiesen zu sein.

Meine neue Schule ist zweifelsohne besonders:

  • Unser Unterrichtsbeginn ist, als einzige öffentliche sächsische Schule (!!!), 8.30 Uhr. Und die Begründung der Schulleiterin ist mindestens genauso bemerkenswert: Sie versteht die Schule als Dienstleister, nicht nur für die Schüler und Eltern sondern auch für die Kollegen. Dieser Unterrichtsbeginn ermöglicht den jungen Kollegen (und Eltern) ihre Kleinkinder entspannt in die Krippe bzw. den Kindergarten zu bringen.

 

  • Der Unterricht wird in Doppelstunden durchgeführt – sicher nicht unbedingt üblich in Klasse 5 und 6. Es erlaubt mir aber variable kleine Pausen einzulegen – oder aber auch mal 60 min hintereinander in Physik zu experimentieren. Das ich durch dieses Modell im Moment nur maximal 3 verschiedene Fächer/Klassen am Tag habe kommt mir sehr entgegen.

 

  • Wir haben ein vergleichsweise junges und kleines Kollegium (im Moment 16 LehrerInnen) und man merkt wie sich jeder in den Aufbau der Schule einbringen möchte. Materialien werden gerne weitergegeben, jeder versucht Hilfestellung zu leisten wo er kann – ich bin wirklich sehr schnell “angekommen”.

Man darf gespannt sein was die nächste Woche so auf Lager hat 😉 Ein Highlight hat sie auf jeden Fall – meinen ersten eigenen Elternabend.

Trotz allem denke ich etwas wehmütig an meine alte Schule und insbesondere an “meine” 6. Klasse die nun einige Lehrerwechsel in diesem Schuljahr hat und die beiden Grundkurse die nun ins finale Abitur-Jahr starten.

Die fabelhaften Abschiedsgeschenke (ein selbst gedrehter Film mit nachgespielten Szenen aus dem Unterricht und ein Erinnerungsbuch in dem jeder Schüler eine eigene Seite gestaltet hat) werden mich noch lange an diese 6. Klasse denken lassen 🙂

Halbjahresfazit 2014

Time Turner
“I mark the hours, every one, Nor have I yet outrun the Sun. My use and value, unto you, Are gauged by what you have to do.”
Image Credits: S.Tore via Flickr

Mein Fazit für das erste Halbjahr:

  • Der Stresspegel ist nicht gesunken, sondern gestiegen.
  • Ich habe selten so viel im Unterricht gelacht wie mit dem Leistungskurs Physik in dem ich zur Zeit unterrichten darf. Unglaublich, oder?
  • Ich bin lieber in der Schule als im Seminar – wobei dies bei weitem nicht allen Referendaren in unserem Jahrgang so geht.
  • Zeit zum bloggen habe ich kaum noch. Leider.
  • Unterrichten ohne “Aufpasser” macht Spaß, ist aber trotzdem nicht weniger anstrengend.
  • Ich sage immer noch viel zu schnell “Ja” und denke erst später darüber nach, welchen Aufwand ich mir gerade aufgeladen habe.
  • In der Schule bin ich wirklich “angekommen” und fühle mich sehr wohl!

Das Einzige, was ich Moment noch mehr brauche als Schlaf ist: Zeit!

My first weeks at school

It All Ends Here
My school maybe doesn’t look like Hogwarts – but this doesn’t lessen my excitement during the first weeks.
Image credits: Brett Kiger via Flickr

After my first weeks at school my head feels like exploding and it’s definitely time to use this Blog as intended – my personal “pensieve“, a reflective tool.

What I learnt about myself:

  • Asking a “good” question is much more difficult then expected. That’s definitely something I need to work on.
  • Another point to improve is my ability to “drive” the lesson forward.

What worked well:

  • The fact that I’m very familiar using IWB was very helpful, because I could concentrate on all the other things you need consider planning your first lessons.
  • I have two very experienced mentors, who are really supportive and made me feel comfortable in my new environment.

What I didn’t expect:

  • As far as I can see only a handful teachers out of 65 are using Facebook and I am the only one (so far) using Twitter.
  • The majority of teachers are keen to improve their work with IWB – the pure fact that they are installed just in so few rooms is thwarting them.
  • We actually have no budget at all to buy ICT or equipment for our physics laboratory. There’s no option then to buy stuff from your own money or improvise if possible. Everyone is looking for possibilities to get equipment for free, e.g. from closed schools. It actually feels like teachers need to dumpster diving – not the way it should be.

The change from university to school needs getting used to. At university I had a lot of freedom to try different things, a big range of ICT and small group of students. In school I have to follow the curriculum, the range of tools is limited (no Learning Management System, not much IWB, …) and there are often more then 25 students in one class – quite a difference.

I am not sure if I should use this Blog further to reflect my experiences at school or not. How do you manage the thin line between reflecting your own experiences and not to break official secrets or to annoy the persons you work with? Is a Blog really the right tool for that? Please share your experience (or thoughts) with me!